Meine Geschichten
13. Juli 2020

Jetzt oder später – Die Uhrzeit

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Flüge starten erbarmungslos zu den vereinbarten Uhrzeiten. Züge schließen ihre Türen und rollen aus dem Bahnhof, wenn die Abfahrtzeit erreicht ist. Die Schulglocke läutet die erste Stunde pünktlich ein und auch im Büro wird man zur vereinbarten Zeit erwartet. Pünktlichkeit ist eine Zier und Warten ist im 21. Jahrhundert nicht mehr gerne gesehen. Just in time lautet die Devise. Die Zeit bestimmt unser Leben und wir fügen und bereitwillig. Uhren umgeben uns und halten uns auf dem Laufenden. Der Kalender bestimmt den Tagesablauf und es gehört sich nicht, zum Meeting zu spät zu kommen. Ob Kundenbesuch, Mitarbeitergespräch, oder einfach nur das wöchentliche Jour Fixe – Wir sind pünktlich. Aber wie wichtig ist es für uns die exakte Uhrzeit zu wissen? Ist es jetzt, oder später Zeit loszulaufen, oder würde uns eine etwas weniger exakte Zeitmessung vielleicht gut tun?

Hook

Das Kinderbuch Peter Pan von James M. Barrie dreht sich um die fantastischen Abenteuer eines besonderen Jungen, der in Nimmerland allerhand Abenteuer erlebt. Sein Gegenspieler ist der Piratenkapitän James Hook. Ein Mann, der Wert auf sein Äußeres legt und seine Mannschaft mit starker Hand führt. Die andere Hand hat er im ersten Kampf mit Peter Pan verloren. An ihrer Stelle trägt er einen Haken. Peter Pan hat die abgeschlagene Hand an ein riesiges Krokodil verfüttert. Vor diesem Krokodil fürchtet sich Kapitän Hook fast genauso, wie vor etwas anderem. Er leidet nämlich an Chronometrophobie. Er hat Angst vor Uhren.

Zeit und Uhren

Diese Phobie führt dazu, dass der Pirat im Kinderbuch alle Uhren zerstört. Im realen Leben fürchten Betroffene weniger die Uhr, als den Moment, den sie darstellt. Gnadenlos verrinnt die Zeit zwischen unseren Fingern und wir können sie nicht festhalten. Mit jedem Ticken der Uhr ist wieder eine Sekunde verstrichen. Eine Sekunde, von etwa 2,5 Milliarden Sekunden, die uns zur Verfügung stehen. Eine große Zahl, aber jedes Jahr verrinnen 31,5 Millionen und führen uns weiter an das Ende unseres Lebens. Die Zeit kann also, im richtigen Licht betrachtet, beängstigend sein. Eine Macht, der wir nichts entgegensetzen können. Nachvollziehbar, dass manche Menschen Angst vor ihr und den Uhren bekommen.

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Der obligatorische Blick auf die Uhr ist bei vielen fast schon ein Tick

Funkuhren

Die Welt dreht sich im Takt der Zeit. Auch wenn wir viele Zeitzonen haben, ist auch das internationale Zusammenspiel von der Zeit abhängig. Nicht nur bei Fernreisen spielen Zeiten eine Rolle. Zeit muss also normiert werden. Dazu gibt es Atomuhren. Hochpräzise Uhren, die mit der Frequenz von Elektronen die Zeit messen. Damit die exakte Zeit für alle zur Verfügung steht, gibt es weltweit 24 Zeitzeichensender. Sendeanlagen, die die exakte Uhrzeit mittels Radiowellen an Funkuhren senden. Für den deutschsprachigen Raum findet sich der Zeitzeichensender in Frankfurt am Main. Von dort erhalten alle Funkuhren in Deutschland, Österreich und der Schweiz, die exakte Uhrzeit.

GPS und die Zeit

Auf die exakte Uhrzeit bauen zahlreiche weitere Informationen. So funktioniert das Global Positioning System GPS nur auf Basis der Zeit. Dazu müssen die Satelliten und der Empfänger exakt die genaue Uhrzeit kennen. Die Satelliten senden ein Signal und aufgrund der unterschiedlichen Zeit, nach der die Signale eintreffen, kannd er GPS Empfänger die Distanz zu den Satelliten und damit seine Position bestimmen. Anwendungen für die exakte Uhrzeit gibt es also überall auf der Welt. Ohne eine einheitliche Uhrzeit wären die meisten Vorgänge und das Zusammenspiel der Menschheit nur schwer möglich. Aber was bedeutet das für uns.

Früher oder später

Immer mehr Menschen empfinden, auch ohne Chronometrophobie, die Zeit als Belastung. Der Zeitdruck steigt und die Zeit geht uns aus. Wir haben mehr Arbeit, als wir in der, zur Verfügung stehenden Zeit, schaffen können. Ein lockerer Umgang mit der Zeit würde uns sehr gut tun. Statt teure Luxusuhren, oder andere kostspielige Uhren zu tragen und ständig die exakte Uhrzeit im Blick zu haben, wäre der Rythmus der Natur die gesündere Variante. Aufstehen, wenn die Sonne aufgeht, Mittags eine kurze Pause und etwas zu essen und Abends dann, mit der untergehenden Sonne, wieder ins Bett. Stattdessen machen wir die Nacht zum Tag und arbeiten, wider unsere Natur, unter LED-Licht bis spät in die Nacht.

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Volle Terminkalender treiben und durch den Tag und lassen uns oft zu wenig Zeit, um zur Ruhe zu kommen

Ungefähr

Ein toller Ansatz dazu sind Uhren, die nicht die exakte Uhrzeit anzeigen. Es ist im Alltag nicht wichtig die genaue Minute zu kennen. Statt 08:42:30 reicht die Information „etwa Viertel vor Neun“. Genau das zeigen sogenannte Wortuhren an. Statt sekundengenau wird die Zeit einfach in fünf, zehn, oder fünfzehn-Minuten Schritten angezeigt. Die Uhr ohne Zeiger setzt aus einer Menge Wörtern einen Text zusammen, der durch Beleuchtung markiert wird. Damit kann man, statt die Zeiger zu interpretieren, die ungefähre Uhrzeit ablesen. Die Uhrzeit so wahrzunehmen hat eine ganz andere Qualität. Genauso wie eine wunderschöne Armbanduhr, die man gerne betrachtet, kann so eine Wortuhr für Entschleunigung sorgen. Gelingt es, dass die Uhrzeit in den Hintergrund rückt und die Uhr im Vordergrund steht, dann merkt man leicht, wie oft man auf die Uhr blickt.

Entschleunigung

Die Zeiteinheiten, in denen man die Zeit misst, von einzelnen Sekunden auf zehn Minuten zu vergrößern, ist der richtige Schritt. Der Druck sinkt und der ständige Blick auf die Uhr erübrigt sich. Die Zeit vergeht gefühlt weniger schnell. Jetzt, oder später bekommt eine neue Bedeutung. Statt in wenigen Sekunden ist später erst in zehn Minuten. So schenkt man sich Zeit und kann ein wenig die Geschwindigkeit aus dem Leben nehmen. Entschleunigung ist mehr als ein Schlagwort. Sie sollte ein Ziel unserer Bemühungen sein.

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